Ein Sonntag vor 140 Jahren: Ein König stirbt, Folge 3 – der 13. Juni

Vor 140 Jahren starb unter nicht ganz geklärten Umständen König Ludwig II. nach einem Spaziergang zusammen mit seinem Arzt Dr. Bernhard Gudden im Starnberger See. Eine Rekonstruktion der letzten 20 Stunden und 6 Minuten seines Lebens.

Den letzten Sonnenaufgang seines Lebens erlebt der König wach liegend. Trotzdem dürfte er die Sonne nicht erblickt haben: Man weiß, dass es am 13.6, dem Pfingstmontag des Jahres 1886, eher kühl war und des öfteren in Strömen regnete. Bevor die Sonne hinter Pöcking am anderen Ufer versinkt, werden König Ludwig und sein Arzt Dr. Gudden nicht mehr am Leben sein.

5 Uhr 02 (Abb. © QUH)

Der König, der wie immer seit Mitternacht wach ist, bittet gegen 6:15 Uhr Dr. Gudden zu sich. Der Besuch der Pfingstmesse in Aufkirchen wird dem König untersagt. Einem Zeitungsroman von 1953 entstammt das sonst unbelegte Gerücht, dass unterdessen in der Villa von Ludwigs ehemaligem Stallmeister Richard Hornig (zeitweise wohl ein Liebhaber des Königs) in der Assenbucherstr. 79 mit dem Herzog Ludwig von Bayern, (dem Bruder von Kaiserin Sisi) an einem Fluchtplan für den König gearbeitet wird. Der junge Leibfischer Lidl soll nach diesem fiktiven Plan des Nachts den König zu einer am Schlosstor wartenden Kutsche bringen.

11 Uhr (Abb. © QUH)

Um 11 Uhr begeben sich Dr. Gudden und König Ludwig II. auf einen ersten gemeinsamen Spaziergang in den Park. Der Pfleger wird gebeten, zurückzubleiben. Ein Kahn mit Richard Hornig und Graf Lambardi an Bord befindet sich auf dem See. Man unterhält sich, rastet auf einer Bank und kehrt gegen 12:15 Uhr wieder ins Schloss zurück. O. Herfeld behauptet 1953, bei diesem Spaziergang hätte der Fischer Lidl dem König geheime Zeichen für die abendliche Flucht geben können. Belegbar ist das nicht. Am Nachmittag unterhält sich der König mit seinem Stabskontrolleur Zander und dem Arzt Dr. Müller.


Notiz des Stabskontrolleurs Zander über das letzte Gespräch mit König Ludwig: “Ich sprach von der Ehrenhaftigkeit S.K.M. des Prinzen Luitpold, der bestimmt nach Recht verfahren wird. – Ja das sieht man an was geschehen, und wenn selbst diese es” (den König umbringen; Anm. d. QUH) “nicht thun, so würden es die nachfogenden prinzen thun. S.M. machte sich wiederholt lustig über die Vorsichtsmaßregeln, welche man gemacht, damit sich S.M. nichts thun.

Um 16:30 Uhr gibt es Abendessen. Der König hat guten Appetit. Sein Leibkoch bereitet ihm 7 Gänge zu: Bandnudeln mit Bratwurst, Fischmayonnaise, Rindfleisch mit Kartoffelpüree, Grüne Bohnen und Kalbsbries, Rehbraten, Spargel und zum Dessert Schokoladencreme und ein Zitroneneis.

16 Uhr 30 (Abb. © QUH)

Dazu betrinkt sich der König mit Bier, zwei Gläsern Maiwein, drei Glas Rheinwein, zwei Gläschen Arac und einem Anisschnaps aus der Levante. Zum Schluss ein Zitroneneis und ein Kaffee.

Zum Abschluss ein Zitroneneis (Abb. © QUH)

Während des Essens interviewt ein amerikanischer Reporter Dr. Gudden und erzählt ihm, dass im Wirtshaus von Leoni erzählt werde, der König würde am nächsten Tag in München erscheinen. Der König bittet Dr. Gudden erneut um den vereinbarten Spaziergang.

13. Juni, 18:35 Uhr

13. Juni, 18:35 Uhr: “Es darf kein Pfleger mitgehen.” Dr. Gudden bedeutet dem Pfleger Mauder bei seinem Spaziergang mit dem König, zurückzubleiben. Das Gegenteil war vorgeschrieben. Der Arzt geht links vom König.

Der Arzt und der entmachtete König haben Mäntel und Schirme dabei. “Das Wetter ist schlecht, regnerisch und ziemlich windig“, notiert der Hofkoch Theodor Hierneis, der währenddessen das Abendessen vorbereitet, zu dem es nicht mehr kommen wird: “Kraftbrühe, ein Omelette mit Bries und Brathuhn mit Spargelsalat, abschließend Aprikosenkompott“. Währenddessen wandeln König und Professor, das ungleiche Pärchen, im Schlossgarten Richtung Süden. Was weiter an dem Abend passiert, ist bis heute nicht ganz gesichert, da beide Beteiligten kurz nacheinander sterben werden. Indizien gibt es genug.

18:50 Uhr (Abb. © QUH)

18:50 Uhr: Der König entledigt sich seines Mantels und seines Schirms, beides wird später am Ufer gefunden … wahrscheinlich ist er – entweder um zu flüchten oder sich, wie zwei Tage zuvor abgekündigt, umzubringen – ins Wasser des Sees gerannt. Auf dem See waren den ganzen Tag trotz des schlechten Wetters Boote zu sehen. Sein Arzt könnte ihm – mit Mantel – panisch  gefolgt sein.  Es kommt zum Kampf.

19:23 Uhr und 40 Sekunden

18:53 Uhr und 40 Sekunden (oder 19:24 Uhr): Die Uhr des Königs bleibt stehen. Pfleger Mauder hatte allerdings beobachtet, dass sie 30 Minuten nachging, es also bereits ca. 19:24 Uhr war. Kam es zum Kampf zwischen dem 1,91 Meter großen, 2 Zentner schweren, alkoholisierten Ludwig II (41 Jahre alt) und seinem erheblich kleineren, schon 62-jährigen Leibarzt? – Auf der rechten Stirn des Arztes findet sich jedenfalls später eine Verletzung, die von einem Faustschlag oder Stein stammen könnte.

20:06 Uhr und 25 Sekunden

20:06 Uhr und 25 Sekunden: Auch die Uhr von Dr. Gudden bleibt infolge des Eindringens von Wasser stehen. Wie genau Ludwig und Gudden im See gemeinsam ums Leben kommen, ist unklar. Die diensthabenden Gendarmen Lauterbach, Klier und Lechl haben bereits mit der Suche nach den im Schloss Berg Vermissten begonnen.

In den folgenden Stunden suchen alle verfügbaren Personen den Ex-König und seinen Arzt. An der Südseite des Parks finden sich Wagenspuren. Um 22:30 Uhr gibt es ein erstes Telegramm von Berg nach München: “Seine Majestät um ½ 7 mit Medizinalrat Dr. von Gudden im Park spazieren gegangen und bis zur Stunde nicht zurück. … Bitte um weitere Befehle.” – Kurz darauf werden – ineinander steckend – der Mantel und das Jackett des Königs sowie sein Schirm und Hut im Wasser des Sees gefunden.

23:10 Uhr

23:10 Uhr: Der “Leibfischer” des Königs, Jacob Lidl, findet zusammen mit dem Schlossverwalter Huber und dem Nervenarzt Dr. Müller die im See treibenden Leichen. Der Ex-König im Hemd. Die völlig bekleidete Leiche Guddens treibt “eine Tischlänge” dahinter.

24 Uhr

Nach langen Wiederbelebungsversuchen stellt Dr. Franz Carl Müller amtlich den Tod fest. Der König ist laut der Untersuchung unverletzt. Die Totenmaske von Dr. Bernhard Gudden hat über dem rechten Auge eine starke Beule, … 

Die Totenmasken von König Ludwig (links) und Dr. Gudden (samt der Beule über dem rechten Auge)

… was auf einen Kampf hindeutet. Da König Ludwig II. Linkshänder war, erklärt sich auch die Beule auf der rechten Stirnseite von Dr. Gudden. Guddens Hut ist zerknüllt.

Eine mögliche Deutung, die als einzige mit allen bekannten Indizien übereinstimmt: Hat König Ludwig II. Dr. Gudden, der versuchte, den Fliehenden einzufangen, erschlagen und sich dann selbst gerichtet ? (Abb. © QUH)

Der doppelte Tod am 13. Juni 1886 zwischen 18 Uhr 30 und 20 Uhr

Die unglaubliche Geschichte vom Fischer Lidl, der einerseits die Leiche des Königs fand, dem andererseits zugetraut wird, eine zentrale Rolle in einem möglichen Rettungsplan für den König gespielt zu haben, und Nach dem Tod des Königs plötzlich auf unbekannte Rt zu großerem Reichtum kam, findet sich hier im Blog hier: /?p=1213/

Die ersten beiden Folgen unserer Miniserie und wie es zu diesem verhängnisvollen Tag kam, lesen Sie hier https://quh-berg.de/ein-koenig-stirbt-folge-5-der-11-juni-894828734-2/

… und hier  https://quh-berg.de/ein-koenig-stirbt-folge-6-der-12-juni-894828746-2/

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Ein Samstag vor 140 Jahren – Ein König stirbt: Folge 2 – 12. Juni

Folge zwei unserer Miniserie über die letzten Tage von König Ludwig II. Heute mit seiner Gefangennahme, seiner letzten Reise, einer barmherzigen Posthalterin, dem Transport nach Berg und seinem vorletzten Mittagessen.

Was geschah mit dem König? (Abb. © QUH)

Der Zeitplan für den Transport von König Ludwig von Neuschwanstein nach Schloss Berg war vom Ministerrat abgesegnet: um 4 Uhr nachts Abfahrt von Hohenschwangau, gegen Mittag Ankunft in Berg. Um Mitternacht war die zweite Fangkommission nach 10-stündiger Reise auf Neuschwanstein eingetroffen; diesmal kann sie ungehindert das Schloss betreten. Ein wachhabender Gendarm rät zur Eile: “Der König versucht, sich umzubringen.” Kammerdiener Mayr verrät: “Schon mehrmals hat er den Schlüssel zum Turm verlangt. Wahrscheinlich will er von dort in die Tiefe springen. Wir haben ihm gesagt, der Schlüssel sei verlegt.”

Nach offizieller Darstellung wird dem – sichtlich angetrunkenen – König nächtens eine Falle gestellt: Ihm wird gesagt, der Turmschlüssel sei gefunden; er stürmt zum Turm, dort erwartet ihn Dr. Gudden, der ebenfalls nicht mehr lange zu leben hat, mit den Worten: “Majestät sind von vier Irrenärzten begutachtet worden, und nach deren Ausspruch hat Prinz Luitpold die Regentschaft übernommen. Ich habe den Befehl, Majestät nach Schloß Berg zu begleiten, und zwar noch in dieser Nacht. Wenn Majestät befehlen, wird der Wagen um 4 abfahren.”

König Ludwig wird auf Schloss Neuschwanstein von Dr. Gudden festgenommen (Abb. © QUH)

Der König wird ins Schlafzimmer gebracht; dort erkennt er Dr. Gudden, den er vor 14 Jahren zum letzten Mal gesehen hatte, als er ihn persönlich in sein Amt berufen hatte.

Gegen 4 Uhr nachts beginnt planmäßig der Abtransport. Man fährt mit 4 Kutschen. In der dritten sitzt allein, mit abmontierten Türgriffen, der König.

Unterwegs werden zwei Mal, in Peißenberg und Steingaden, die Pferde gewechselt. Um 9 Uhr 45 gibt es im Wald zwischen Weilheim und Seeshaupt eine viertelstündige Toilettenpause für den König. Beim letzten Pferdewechsel in Seeshaupt unterhält sich der König mit der Frau des dortigen Posthalters, Therese Vogl, die ihm ein Glas Wasser bringt.

Die Seeshaupter Wirtin Therese Vogl überreicht dem König ein Glas Wasser (Abb. @ QUH)

“Danke! Danke! Danke!” antwortet Ludwig und flüstert Therese noch etwas zu, was zu Verschwörungstheorien um eine mögliche Befreiungsaktion geführt hat. Das berühmte Trinkglas wird von der Familie noch lange aufbewahrt:

“Bevor ins Wellengrab er sank
von Geistesnacht umhüllt,
nahm er daraus den letzten Trank
sein Wunsch ward ihm erfüllt.
Und eine Träne fiel hinein,
eine Perle soll dem Glas sie sein.”


Der legendäre letzte Halt (auf der Postkarte ist ein falsches Datum angegeben), der Halt fand am 12. Juni statt

Der Zug stoppt vor dem Eintreffen in Berg um 12 Uhr 30 noch ein letztes Mal in Leoni, wo für den König noch ein paar Semmeln gekauft werden. Inzwischen ist das ehemalige Schloss Berg zu einer improvisierten Heil- & Pflegeanstalt umgerüstet worden: Die Klinken wurden abgeschraubt, die Türen mit Gucklöchern versehen, in die Fenster werden gerade Löcher für Gitterstäbe geschlagen.

Der König als Gefangener in seinem eigenen Schloss (Abb. © QUH)

Mittagessen gibt es um 13.30. Die Menüfolge ist vom Leibkoch Theodor Hierneis genau überliefert: Es gab Rheinsalm, Kartoffeln, Rindfleisch mit Grünerbsen, Wasser statt Rotwein. Auf dem Tisch liegen nur stumpfe Messer. Das Geschirr wird auf geheime Botschaften hin untersucht.

Das Mittagessen von König Ludwig heute vor 140 Jahren (Abb. © QUH)

Nach dem Mittagessen, gegen 15 Uhr, geht der König zu Bett und verlangt, um Mitternacht geweckt zu werden. Der Arzt Dr. Müller verbietet das: “Majestät muss zur Ordnung gebracht werden, daß der Tag zum Tag und die Nacht zur Nacht gemacht wird.”

Durch Berg selbst patroullieren Gendarmen. Nach dem Bericht von Oskar Maria Graf ordnen sie an: “Ab heute ist es verboten, nach Einbruch der Dunkelheit die Straße zu betreten, Besuche zu machen oder sich in der Nähe der Schloßmauern oder oben am Parkzaun sehen zu lassen. Das ist streng untersagt.” Die Bevölkerung hält sich nicht daran. Auch auf dem See sind Kähne zu sehen, die vor dem Schloss auf und ab fahren. Oskar Maria Graf spottet: “Das Maul soll jeder halten, und unseren König wollen sie wegräumen?! Ganz insgeheim wollen sie ihn umbringen wie einen Lumpen! Diese Sippschaft!

Der König wird um Mitternacht nicht geweckt, wacht aber gegen 23.45 von selbst auf. Seine Kleider werden ihm verweigert. Er verlangt wenigstens nach Strümpfen, da ihm kalt sei. Er isst ein Stück Brot und eine Orange.

Wie der 13. Juni verläuft und alles, was wir darüber wissen, lesen Sie morgen an dieser Stelle. Heute nur soviel: Es wird nicht gut enden.

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Wetter

Wegen des vorhergesagten Regens am Wochenende müssen die Organisatoren von Klassik 2.0 das für Sonntag geplante Konzert absagen. Aber das Samstagsprogramm, DJ und Fußball gibt es trotzdem! Auch der Gedenkgottesdienst am Sonntag findet statt – bei schlechtem Wetter wird er in der Votivkapelle gehalten statt open air. Beim TC Berg ist Open House, und das Stadtradeln beginnt.

Raindrops are falling on my Veranstaltung

Am Sonntag ab 17:30 Uhr werden die Türen des Marstalls mit DJ, Bar und dem ersten WM Gruppenspiel der deutschen Nationalmannschaft geöffnet. Ab 19:00 Uhr wird Deutschland – Curaçao live übertragen.
Eintritt frei, Einlass ab 17:30 Uhr.Die Konzerte am Samstag Vormittag und Abend werden wie geplant im im Rittersaal des Schloss Kempfenhausens stattfinden.
Besonders freut die Veranstalter die spontane Zusage von Till Schuler, Solocellist des Bayrischen Radio Sinfonieorchesters, international auf den größten Bühnen unterwegs. Er wird mit Tommy Haas die erste Hälfte des Lunchtime-Konzerts übernehmen – Barock, Wiener Klassik bis in die Brasilianische Volksmusik und Tangos.
Tickets gibt es online www.klassik20.com oder bei der Alten Liebe in Berg (Barzahlung) sowie Restkarten an der Abendkasse.

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Ein Freitag vor 140 Jahren … ein König stirbt: Folge 1 – der 11. Juni

Ein Freitag vor 140 Jahren ... ein König stirbt: Folge 1 - der 11. Juni
Aus “aktuellem” Anlass aktualisieren wir noch einmal unsere beliebte Miniserie “Ein König stirbt”, die wir hier vor 12 Jahren zum ersten Mal veröffentlicht haben. https://quh-berg.de/?s=ein+könig+stirbt%3A+folge König Ludwig II. um 1875, Kopie eines Portraits von Joseph Bernhard / Bayerische Staatsgemäldesammlung Der 11. Juni 1886, ebenfalls ein Freitag, ist der letzte Tag den weiterlesen...

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Das Kunstwerk des Monats Juni

Das Kunstwerk des Monats Juni
Und schon wieder ist es soweit: Am heutigen Mittwoch wird das Kunstwerk des Monats Juni präsentiert. Im Juni zeigt die Malerin Carmen Jäckel zwei korrespondierende Gemälde. Die Präsentation findet am nächsten Mittwoch, 10. Juni 2026, um 19.30 Uhr im Katharina-von-Bora-Haus, Fischackerweg 10, in Berg statt. Die Schauspielerin und Synchronsprecherin Inez Günther wird an diesem weiterlesen...

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