Das Mühsamste an einer Gemeinderatssitzung – wenngleich für viele Bürger das Entscheidende – sind oft die Bauanträge. Man war gespannt, wie die neuen Gemeinderäte auf das mitunter etwas absurd scheinende Baurecht mit ihrem Abstimmungsverhalten reagieren würden. Mit dem genehmigten Abriss des Gasthofs Die Post in Aufkirchen gab es gleich ein besonders spektakuläres Beispiel dieses politisch-juristischen Irrgartens.

Wirklich vor dem Abriss? Der Gasthof zur Post beim großen Umbau 2012
Es standen geradezu exemplarisch vier verschiedene Bauanträge an. Der Reihe nach: Als erster Testfall wurde die ehemalige Hofstelle an der Seeshaupterstraße behandelt. Der Bauwerber wollte – wie es das Baurecht erlaubt – zwei weitere Wohneinheiten in dem Gebäude unterbringen. – Einstimmig genehmigt. Außerdem wollte er den ersten Stock des Gebäudes (im Außenbereich) abreißen und neu errichten, was das Baurecht eben nicht erlaubt. Auch hier ließen sich alle Räte vom vernünftigen Vortrag des Bauamts überzeugen. Lediglich die FDP hätte den Bauwerber gerne “glücklich” gemacht, sah aber ein, dass dies juristisch aufgrund der vorgelegten Pläne nicht möglich sei. – Einstimmig abgelehnt.
Der zweite Testfall war da etwas spektakulärer: Eine der letzten Hofstellen – nicht denkmalgeschützt – im Ortsteil Berg an der Aufkirchner Straße (da wo früher die schönen Unimogs im Garten standen) wird abgerissen. Statt ihrer werden – wenn es nach dem Antragsteller geht – 32 Wohneinheiten in drei großen Gebäuden errichtet: vier Reihenhäuser und zwei L-förmig angeordnete Mehrfamilienhäuser mit je 14 Wohneinheiten. Alle Parteien hatten im Wahlkampf für Wohnraumschaffung im Innenbereich geworben. Auf unisono vorgetragene Argumente der Räte Gastl (CSU) und Ammer (QUH) wurde der Antrag sogar – entgegen dem vorsichtigeren Vorschlag der Gemeinde – mitsamt Gauben und Dacheinschnitten genehmigt, sodass auch im Dachgeschoß heller Wohnraum entsteht. Der Bürgermeister stellte noch klar, dass es sich bei den Grundstücksbesitzern zwar um Verwandtschaft handle, da es aber eine Cousine sei, dürfe er nach dem Gesetz trotzdem die Sitzung leiten.

Raum für 32 neue Wohnungen samt großer Tiefgarage mit steiler Einfahrt im Ortsteil Berg
Der dritte Bauantrag betraf den Abriss der – seit dem Brand dort – nicht mehr denkmalgeschützten sogenannten “Lüderitzvilla” in Kempfenhausen, statt derer ein etwas unzeitgemäßer schossartiger Neubau beantragt wurde, der einstimmig abgelehnt wurde, weil der Entwurf sich in kaum einer Weise an den dort bestehenden Bebauungsplan hält.

Abgelehnt: Kein neues “Schloss” in Kempfenhausen
Dann kam der komplizierte Fall der Post in Aufkirchen. Als der Postchef Andi Gröber 2012 das marode Gebäude von Grund auf renovierte und schöne neue Säle und Hotelzimmer baute, verkündete er im QUH-Interview: “Das Wichtigste ist mir, dass endlich wieder etwas los ist in Berg, dass es eine Bar gibt, einen Saal, in dem Veranstaltungen stattfinden.” (https://quh-berg.de/mit-hand-und-fuss-der-wirt-des-gasthofs-zur-post-zum-umbau-64038817/). Seit der Gemeinderat 2025 eine geplante Umwandlung in ein Seniorenwohnheim abgelehnt hat, gibt es dieses ehrgeizige Ziel nicht mehr, und der Ton hat sich verschärft. Ein beantragter Abriss der Post oder eine weitere Verschiebung in den Außenbereich, gar ein Neubau mit 2 Baukörpern wurde vom Gemeinderat im Januar einhellig abgelehnt. https://quh-berg.de/neues-aus-dem-gemeinderat-die-erste-sitzung-des-neuen-jahres/. Das Landratsamt hat entschieden, dass ein Abriss mit Neubau allerdings rechtmäßig sei, und bat den Gemeinderat, seine diesbezügliche Entscheidung zu überdenken, um eine Ersetzung zu vermeiden. Damals war sie gefallen, um Zeit zu gewinnen und vom Gemeinderat her das Gespräch mit Andi Gröber zu suchen. Dies hat aus verschiedenen Gründen nicht stattgefunden. Es gab nur eine wohl nicht gut verlaufende Unterredung samt Rechtsanwälten beim Bürgermeister.

Der “Gasthof Die Post”, das Herzstück unseres Ortes darf jetzt abgerissen werden
Da der Rechtsanwalt der Gemeinde es als nicht unbedingt aussichtsreich eingeschätzt hat, an dieser Stelle mit Bebauungsplänen oder Ensembleschutz (Kirche/Ortskern/Gastwirtschaft) um den Erhalt der Dorfwirtschaft zu kämpfen, ist die Rechtslage wohl eindeutig. Das Gebäude dürfte abgerissen und samt Schankbetrieb wieder aufgebaut werden. Ob dies wirklich stattfindet, bleibt allerdings abzuwarten. Als die QUH (noch vor der Wahl) ein Hintergrundgespräch mit Andi Gröber geführt hat, gestand dieser nach all den fehlgeschlagenen Verhandlungen die Lust an dem Hickhack etwas verloren zu haben. Hoffentlich kommt es noch zu einem Gespräch mit dem neuen Gemeinderat.
Dies war die einzige Abstimmung, bei der es Gegenstimmen von den Grünen und von Christian Kalinke (QUH) gab, der vermeldete, dass er als Gemeinderat unmöglich als “Totengräber der Post” dastehen könne.






